Vorlauftemperatur senken: die Heizkurve in kleinen Schritten einstellen
Viele Heizungen arbeiten mit einer Einstellung, die sicherheitshalber höher ist als nötig. Das Haus wird warm, aber das Heizungswasser ist heißer, als es sein müsste — und das kostet. Mit etwas Geduld stellen Sie die Heizkurve selbst so ein, dass es gerade warm genug ist.
- Kosten
- 0 €
- Ersparnis
- bei der Wärmepumpe rund 2–3 % Strom je Grad
- Aufwand
- 10 Minuten, dann einige Tage beobachten
- Selbst machbar
- Ja, in kleinen Schritten
Wer eine Heizung einstellt, stellt sie meist lieber etwas zu warm ein als zu kalt. Kalte Räume führen zu Beschwerden, zu warmes Heizungswasser fällt niemandem auf. Genau dort steckt aber eine Ersparnis, für die Sie nichts kaufen müssen.
Was die Vorlauftemperatur ist
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur, mit der das Heizungswasser zu den Heizkörpern fließt. Moderne Heizungen passen sie nach der Außentemperatur an: Je kälter es draußen ist, desto wärmer das Wasser. Diesen Zusammenhang nennt man Heizkurve. Sie hat zwei Stellschrauben:
- Steilheit: wie stark die Vorlauftemperatur steigt, wenn es draußen kälter wird
- Niveau: schiebt die ganze Kurve nach oben oder unten, bei jeder Außentemperatur um denselben Betrag

Was es bringt
Bei einer Wärmepumpe am meisten. Sie arbeitet umso effizienter, je weniger warm das Wasser sein muss. Als Faustregel gilt: Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur spart rund 2 bis 3 Prozent Strom. Feldmessungen an Wärmepumpen in Bestandsgebäuden bestätigen diesen Zusammenhang.
Bei einem Gas-Brennwertkessel entscheidet die Temperatur darüber, ob er überhaupt seinen Brennwert nutzt. Dafür muss das zurückfließende Wasser kühl genug sein, dass der Wasserdampf im Abgas kondensiert, bei Erdgas unter etwa 55 °C. Läuft die Heizung zu warm, arbeitet der Brennwertkessel wie ein gewöhnlicher Kessel.
Bei jeder Heizung sinken außerdem die Verluste auf dem Weg durch die Rohre, und die Räume werden gleichmäßiger warm, statt erst zu überheizen und dann abzuregeln.
Vorher: zwei Dinge prüfen
- Welche Heizung haben Sie? Wärmepumpe und Brennwertkessel vertragen niedrige Temperaturen gut. Ältere Kessel ohne Brennwerttechnik dagegen teils nicht: Manche brauchen eine Mindesttemperatur, darunter bildet sich im Kessel Kondenswasser, das ihn angreift. Steht in der Anleitung eine Mindesttemperatur oder sind Sie unsicher, lassen Sie die Heizkurve vom Fachbetrieb einstellen.
- Funktionieren die Heizkörper? Luft im Heizkörper oder ein klemmendes Ventil sehen genauso aus wie eine zu niedrige Heizkurve. Erledigen Sie deshalb zuerst den Heizkörper-Check.
So gehen Sie vor
- Ausgangswerte notieren. Steilheit und Niveau aus dem Menü der Heizung aufschreiben oder das Display fotografieren. So können Sie jederzeit zurück.
- An einem kühlen Tag beginnen. Wenn es draußen mild ist, sieht man kaum, ob die Einstellung reicht.
- Thermostate in den Wohnräumen ganz aufdrehen. Solange die Thermostate abregeln, merken Sie nicht, ob die Heizkurve zu hoch ist.
- Niveau um 1 bis 2 Grad senken. Nur diese eine Einstellung ändern.
- Zwei bis drei Tage beobachten. Werden alle Räume noch warm genug? Dann den nächsten Schritt.
- Ein Schritt zurück, sobald ein Raum zu kühl wird. Die richtige Einstellung ist die niedrigste, bei der es überall gerade noch angenehm ist.
- Danach die Thermostate wieder auf den gewünschten Wert stellen, zum Beispiel Stufe 3 für etwa 20 °C.
Woran Sie erkennen, welche Stellschraube die richtige ist:
| Was Sie beobachten | Was hilft |
|---|---|
| überall zu warm | Niveau senken |
| überall zu kühl | Niveau anheben |
| nur bei Frost zu kühl | Steilheit etwas erhöhen |
| in der Übergangszeit zu warm, bei Frost passend | Niveau senken, Steilheit etwas erhöhen |
Das Niveau können Sie bedenkenlos selbst verändern. An die Steilheit gehen Sie nur in sehr kleinen Schritten, oft genügt eine Stelle hinter dem Komma, und nur mit der Anleitung zur Hand. Im Zweifel ist das ein Fall für den Fachbetrieb.
Und die Nachtabsenkung?
Beim Gaskessel spart eine moderate Absenkung nachts oder während längerer Abwesenheit Energie. Der Kessel heizt morgens schnell wieder auf.
Bei der Wärmepumpe lohnt sie sich dagegen selten. Nach einer starken Absenkung muss sie morgens mit hoher Vorlauftemperatur aufheizen, und dabei arbeitet sie am wenigsten effizient. Im schlechtesten Fall verbraucht das mehr, als die Nacht gespart hat. Gleiches gilt für Fußbodenheizungen, die ohnehin langsam reagieren. Hier ist eine gut eingestellte, gleichmäßige Heizkurve meist die bessere Wahl.
Und danach?
Werden die meisten Räume warm, einzelne aber nicht, liegt das selten an der Heizkurve. Meist steckt eine von zwei Ursachen dahinter:
- Ein fehlender hydraulischer Abgleich. Das Heizungswasser nimmt den bequemsten Weg und kommt in den entfernten Heizkörpern zu wenig an. Typisches Zeichen: Der Heizkörper im kühlen Raum wird nicht richtig heiß, obwohl er entlüftet ist und das Thermostat offen steht.
- Ein zu kleiner Heizkörper. Er wird zwar heiß genug, gibt aber nicht genug Wärme für den Raum ab. Das fällt oft erst auf, wenn die Vorlauftemperatur sinkt, denn die Leistung eines Heizkörpers hängt stark von ihr ab: Bei 55/45 °C statt 75/65 °C liefert er nur noch rund die Hälfte. Betroffen sind häufig Räume mit großen Fensterflächen oder Außenwänden auf mehreren Seiten.
Beides lässt sich nicht am Display lösen. Die gute Nachricht beim zu kleinen Heizkörper: Meist genügt es, diesen einen gegen einen größeren zu tauschen, statt die ganze Heizung wärmer laufen zu lassen. Welche Ursache vorliegt, zeigt eine raumweise Heizlastberechnung: Sie ergibt für jeden Raum, wie viel Wärme er braucht, und damit, ob der Heizkörper reicht. Bei einer Vor-Ort-Beratung sehe ich mir Ihre Anlage gerne an.
Stand: Oktober 2026. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Hersteller: Steilheit heißt auch Neigung, Niveau auch Parallelverschiebung. Wo sie im Menü stehen, sagt die Bedienungsanleitung Ihrer Heizung.
Wo verliert Ihr Haus Energie?
Bei einer Vor-Ort-Beratung sehe ich mir Gebäude und Heizung als Ganzes an und sage Ihnen, welche Maßnahmen sich zuerst lohnen — unabhängig und ohne Verkaufsinteresse.
